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Geschichte

Goslar

Goslar entstand um 900 als namenlose Siedlung aufgrund von Natur- und Völkerstraßen (liegt im Tal / gute Verbindung vom nördlichen und südlichen Harzvorland / ausreichend Wasser usw.)
Der Name Goslar setzt sich zusammen aus den Wörtern "Gose" (fließendes Wasser) und dem fränkischen Wortstamm "lar" für Lager oder Niederlassung.
Goslar wurde gegründet 922 nach der Entdeckung reicher Erzvorkommen im Rammelsberg. Dieses Erz hatte vor allem einen hohen Anteil von Silber und Gold.
Die Ansiedlung entwickelte sich in wenigen Jahrzehnten zu einer größeren Stadt und dem bevorzugten Wohnsitz der sächsischen und salischen Kaiser. Kaiser Heinrich der III versuchte 1050 eine ständige Residenz zu schaffen. Goslar war freie Reichsstadt und Mitglied der Hanse.
1532 erreichte Herzog Heinrich der Löwe von Braunschweig im Riechenberger Vertrag die Übernahme aller Rechte am Rammelsberg und der Goslarer Forst und die Bürger wurden ärmer.
Die Bürger mussten andere Geldeinnahmequellen finden, also widmeten sie sich dem Handwerk, der Landwirtschaft und der Bierbraukunst. Viele Straßennamen dokumentieren dies, wie z.B. die Glockengießerstraße, Kornstraße und auch die Bäckerstraße.

Haus Bäckerstraße 3

Am 24.Juli 1592 wurde das Haus Bäckerstraße 3 von A. Sander erbaut. Nur die Häuser, deren Holzständerwerk einschließlich der Dachbalken an einem Tagwerk errichtet wurden, durften den "Richtetag" im Inschriftband über dem Torbogen anbringen (siehe Seitenkopf).


Das dreigeschossige Gebäude mit seinen zusätzlichen drei Lager-Dachgeschossen wurde auf alten Fundamentmauern errichtet. Zwischen den geschnitzten Initialen ist ein Wappenschild mit einer Hausmarke sowie ein rechts geteilter Schild mit drei Löwenköpfen zu erkennen. Laut Hans-Günther Griep ist das Gebäude eines der schönsten Beispiele für eine hölzerne „Steinarchitektur“ mit Arkaden in den Brüstungen. Das Haus vereinigte einst Wohnung, Brauerei, Stallungen, Arbeitsstätte und Lagerraum unter einem Dach. Es hatte beträchtliche Dimensionen: Gebäudelänge straßenseitig 19,95 m, Tiefe 18,80 m und die Höhe bis zum Dachfirst rund 20 m. Für das Ständerwerk wurde im ganzen Hause Eichenholz verwendet, die Fachwerkfüllungen waren aus Lehm mit Flechtwerk oder Splethen gefertigt. Hinter dem Eingangstor, das aus zwei großen Torflügeln und einer „Schlupftür“ besteht, öffnete sich eine zweigeschossige Däle, die das ganze Haus von der Vorder- bis Hinterfront durchschnitt. Der über zwei Geschosse große, hohe Raum war wichtig, um das Haus mit dem Erntewagen durchfahren zu können und mit Hilfe von Seilen die Ernte und Güter in die Dach-bzw. Lagergeschosse zu befördern. Gleichzeitig musste der Raum so hoch sein, dass das auf dem Steinboden brennende Herdfeuer nicht die im Dach lagernden Erntevorräte entzünden konnte. Der kalte Rauch war wichtig, um Lebensmittel haltbar zu machen (z.B. Schinken), die gesamte Holzkonstruktion des Hauses vor Holzschädlingen zu schützen und das Balkenwerk zu konservieren. Über dem Fußboden verblieb ein genügend hoher rauchfreier Lebensbereich. Ohne Schornsteine versickerte der Rauch schließlich durch Dachöffnungen. Der Gewölbekeller bestand aus drei Etagen – die unteren beiden wurden im letzten Jahrhundert verfüllt. Heute wird der Kellerbereich als Sauna, als Tischtennisraum, Party- und Waschmaschinenkeller genutzt.

Desolater Zustand des Hauses um 1906

Im Jahre 1703 kaufte die Familie Castrup (andere Schreibweise auch Castoph) das Haus. In der Mitte des 19. Jahrhunderts taucht das Gebäude als "Winecksches Haus" in Büchern und Urkunden auf. Heinrich Winecke betrieb dort ein Fuhrunternehmen und hatte Anfang 1900 nicht mehr genügend Geld um die notwendigen Reparaturarbeiten am Hause durchführen zu können - das Fachwerkhaus verfiel.

Im Jahre 1906
erwirbt der Zimmermann Fritz Warnecke das Gebäude und rettet es vor dem Abriss. Fritz Warnecke wandelte das Erdgeschoss sowie die erste und zweite Etage in Wohnbereiche um. Im 2. Stock, der bis dahin nur offener Lagerraum war, baute er Fenster und Lehmgefache ein. Zum Beheizen der Wohnräume wurden Schornsteine im Hause eingezogen. Hofseitig musste ein Teil des Hauses abgerissen werden, sodass aus einer fast quadratischen Grundfläche eine "L-Form" entstand. Durch die "L-Form" konnte nun auch der mittlere Teil des Hauses natürlich belichtet werden.

Fritz Warnecke verstarb 1934. Seine Frau Helene lebte von den Mieteinnahmen des Hauses. Zusätzlich hielt sie im Stall verschiedene Tiere. Sie lieferten in den Kriegszeiten Milch, Wolle und Eier. Auf dem Hofgelände pflanzte Helene Obstbäume und in dem kleinen Garten baute sie Gemüse für den Eigenbedarf an.

Nach Umbaumassnahmen um 1908
Zustand um 1950

1955 gab es ein Kaufangebot der Warenhauskette "Karstadt", die einen Bauplatz für den Neubau ihres Warenhauses in der Innenstadt suchte. Helene Warnecke bringt es aber nicht übers Herz, das Haus zu verkaufen – das stattliche Haus wäre abgerissen worden.

Die Tochter und der Sohn von Helene und Fritz Warnecke erbten das Haus zu gleichen Teilen. In der Erbauseinandersetzung 1972 erwarben Hildegard (die Tochter von Hermann Warnecke) und Wolfgang Beck als alleinige Eigentümer das Haus. Das Haus entsprach nun nicht mehr dem derzeitigen Zeitgeist und den technischen Anforderungen. In den Jahren 1973 - 1975 stehen umfangreiche Renovierungs-, Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten an. Wolfgang und Hildegard Beck haben sich trotz des hohen Kostenaufwandes für den Erhalt dieses historischen Gebäudes entschieden. U.a.entstanden moderne kleinere Wohnungen in dem Gebäude. Durch die wieder straßenseitige Öffnung der Gefache in der 2.Etage, konnten durch zurückgesetzte Glasfassaden die Gestaltung von Loggien durchgeführt werden.

Zustand um 1976 mit altem Dach
Zustand um 1981 mit neuem Dach

1980 wird das Schieferdach mit Dachgauben erneuert. 1985 verstarb leider Wolfgang Beck. Seine Frau musste nun das Gebäude allein verwalten. Seit 1991 befindet sich das Gebäude im Besitz der Eigentümergemeinschaft der Beck Kinder. 2003 ist das Haus erneut mit dem ersten Preis im Fassadenwettbewerb ausgezeichnet, vor allem für die fachgerechte Restaurierung der zweiflügeligen Fenster in der ersten Etage. 2004 ist die untere linke Hälfte der Fassade einschließlich des Inschriftbandes und Tores unter Berücksichtigung der Denkmalschutzaspekte restauriert. In den Folgejahren wurden im Innenbereich immer wieder Sanierungsarbeiten (z.B. Badezimmer- und Küchenerneuerungen) durchgeführt. 2011 hat Ralf und Mareike Beck das Haus, im Einvernehmen aller Beteiligten, käuflich erworben und die Eigentümergemeinschaft wurde aufgelöst. 2012 verstarb leider die liebe „Schirmherrin des Hauses“ Hildegard Beck. 2012 wurden im Hause Bäckerstr. 4 hofseitig die alten Fenster und Außentüren ausgewechselt und die Terrasse wurde umgestaltet. 2016 wurde der gesamte Sockelbereich saniert. In diesem Zusammenhang wurden der untere linke Schwellbalken und die unteren Gefache erneuert.

2017 und 2018 wurden die elektrischen Unterverteilungen in den einzelnen Wohnungen sowie Küchenelektrogeräte größtenteils erneuert und vom Fachbetrieb ein E-Check durchgeführt.

Zustand 2005 nach Fasssadenteilrestauration

Die Familie Ralf und Mareike Beck probieren, trotz des enormen Zeit- und Kostenaufwands,
bis zum jetzigen Zeitpunkt für nachfolgende Generationen das Haus Bäckerstr. 3 in der Goslarer Altstadt, zu erhalten.

Info: Stand 01.2019